Island-Wissen
Die Flagge Islands: Ein Symbol aus Feuer, Eis und nordischer Tradition
Bedeutung der Farben und Symbole
Die isländische Flagge ist ein tiefgreifendes Spiegelbild der rauen und atemberaubenden Natur der Insel. Das Design in Form des nordischen Kreuzes symbolisiert zum einen die historische und kulturelle Verbundenheit Islands mit den anderen skandinavischen Ländern sowie das christliche Erbe. Die Farbwahl ist dabei keineswegs zufällig: Das Blau bildet die Basis und repräsentiert den Atlantischen Ozean, den weiten Himmel und das sogenannte „Bergblau“ (fjallablámi), welches die isländischen Gebirgsketten aus der Ferne einhüllt. Das reine Weiß steht für die majestätischen Gletscher, das Eis und den Schnee, die weite Teile des Landes bedecken. Das flammende Rot in der Mitte des Kreuzes symbolisiert das vulkanische Feuer und das flüssige Magma, das Islands Geologie bis heute prägt.
Kuriose historische Vorläufer
Bevor sich das heutige rot-weiß-blaue Kreuz durchsetzte, gab es einige sehr ungewöhnliche Entwürfe für eine Nationalflagge. Das kurioseste Kapitel begann 1809 mit der sogenannten „Dorsch-Flagge“ (Þorskafáninn): Der dänische Abenteurer Jørgen Jørgenssen, der sich kurzzeitig als Herrscher Islands inszenierte, führte eine Flagge ein, die auf dunkelblauem Grund drei weiße Stockfische (Kabeljau) zeigte. Im Jahr 1870 folgte die „Falken-Flagge“ (Fálkafáninn), entworfen von dem Künstler Sigurður Guðmundsson, auf der ein weißer Falke mit ausgebreiteten Flügeln auf blauem Hintergrund als Symbol für den Freiheitsflug der Nation prangte. 1897 entwarf der Dichter Einar Benediktsson schließlich den direkten Vorläufer der heutigen Flagge, den „Hvítbláinn“, der ein einfaches weißes Kreuz auf dunkelblauem Grund zeigte.
Der Flaggen-Zwischenfall von 1913
Die Spannungen um den beliebten Vorläufer "Hvítbláinn" gipfelten am 12. Juni 1913 im sogenannten Flaggen-Zwischenfall (Fánamálið). Der junge Isländer Einar Pétursson ruderte mit der inoffiziellen weiß-blauen Flagge an seinem Boot durch den Hafen von Reykjavík. Der Kapitän des dänischen Wachschiffs „Islands Falk“ ließ die Flagge daraufhin beschlagnahmen und Pétursson festnehmen, da das Führen einer nicht autorisierten Flagge in dänischen Gewässern illegal war. Dieser Vorfall löste massive Proteste innerhalb der isländischen Bevölkerung aus und zwang den dänischen König Christian X. letztendlich dazu, die Forderungen der Isländer nach einer eigenen Nationalflagge ernst zu nehmen.
Ablauf in der Geschichte der Flaggen
Die Evolution zur heutigen Nationalflagge verlief parallel zum isländischen Unabhängigkeitskampf.
- 1906 entwarf Matthías Þórðarson das heute bekannte dreifarbige Design, da er der weiß-blauen Variante das Rot der Vulkane hinzufügte.
- 1915 wurde dieses Design durch ein königliches Dekret offiziell angenommen. Der dänische König hatte den vorherigen „Hvítbláinn“ abgelehnt, weil er der griechischen Flagge zu ähnlich sah und man auf See Verwechslungen fürchtete.
- Am 1. Dezember 1918, mit dem Unionsvertrag, der Island als souveränen Staat in Personalunion mit Dänemark anerkannte, wurde die Flagge auch für den Einsatz auf hoher See zugelassen.
- Am 17. Juni 1944 wurde mit der Ausrufung der Republik Island das finale Design inklusive seiner exakten Proportionen gesetzlich als Nationalflagge kodifiziert.
Strenge gesetzliche Regelungen und das Flaggenprotokoll
Island schützt seine Flagge durch das strenge Gesetz Nr. 34/1944. Das Hissen und Einholen der Flagge unterliegt einem genauen Zeitplan: Sie darf frühestens um 7:00 Uhr morgens gehisst werden und muss zwingend vor Sonnenuntergang, spätestens jedoch um Mitternacht, wieder eingeholt werden. Beim Umgang muss penibel darauf geachtet werden, dass der Stoff niemals den Boden berührt. Zudem ist es strikt verboten, verblasste, verschmutzte oder zerrissene Flaggen zu verwenden; beschädigte Exemplare müssen sofort repariert oder respektvoll durch Verbrennen zerstört werden. Die missbräuchliche Verwendung, etwa für Werbung oder als Fußmatte, wird als Respektlosigkeit gewertet und kann sogar mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden.
Offizielle Flaggentage und Alltagskultur
Das isländische Premierministerium legt bestimmte Flaggentage fest, an denen staatliche Gebäude beflaggt sein müssen. Zu diesen offiziellen Anlässen zählen unter anderem der Neujahrstag, der erste Sommertag (ein Donnerstag im April), der 1. Mai, der Seemannstag im Juni, der Nationalfeiertag am 17. Juni, der Geburtstag des Präsidenten und Weihnachten. Doch auch tief im zivilen Leben ist die Flagge fest verankert: Die Isländer sind sehr stolz auf ihr Nationalsymbol und es gehört zur festen Alltagskultur, die Flagge bei privaten Feierlichkeiten wie Geburtstagen, Hochzeiten oder Taufen im eigenen Garten zu hissen.
Die wichtigsten Flaggen-Fakten im Überblick
| Eigenschaft | Detail-Information |
|---|---|
| Seitenverhältnis | 18:25 (für die zivile Nationalflagge). |
| Design | Dunkelblaues Feld mit einem weißen skandinavischen Kreuz, in das ein rotes Kreuz eingefügt ist. Das Kreuz ist in Richtung des Mastes verschoben. |
| Farb-Wert: Blau | SCOTDIC 693009 / Pantone 287 / HEX #02529C. |
| Farb-Wert: Weiß | SCOTDIC 95 / CMYK 0-0-0-0 / HEX #FFFFFF. |
| Farb-Wert: Rot | SCOTDIC ICELAND FLAG RED / Pantone 199 / HEX #DC1E35. |
| Symbolik | Blau: Ozean, Himmel und Bergblau. Weiß: Gletscher, Eis und Schnee. Rot: Vulkanisches Feuer und flüssiges Magma. |